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15'000 Porträts

 

Interview von Claudia Gabler. (Chefredaktorin Contact Management Magazine)

Geri, woher kommt Deine Leidenschaft für die Portraitfotografie?

Geri Krischker: Eigentlich habe ich Angst vor Menschen (lacht). Gleichzeitig liebe ich sie. Ich nehme meinen Beruf sehr ernst. Nach 30 Jahren weiss ich, dass es schief gehen kann – auch wenn ich den technischen Vorgang natürlich längst beherrsche. Aber ich brauche mehr als das. Ich brauche das Gegenüber. Wenn der Austausch nicht stattfindet, nehm ichs persönlich. Wenn aber etwas entsteht, habe ich wahnsinnig Freude. Daraus entspringt meine Leidenschaft.

Wie viele Menschen hast Du schon portraitiert?

15.000 waren es bestimmt. Diese Virtuosität braucht es – vor allem für den CEO, der keine Zeit zum Fotografieren hat. Man hat nur 10 Minuten Zeit, und der Mensch sollte nicht wie ein Soldat dastehen.

Was fasziniert Dich an Deinem Beruf?

Ich liebe den Austausch mit Menschen. Die Fotografie ist ein Werkzeug dazu. Mit einer Kamera kommt man überall rein. Ich gehe direkt in die Küche, wie die Spanier sagen. Die Kamera macht Angst und hat gleichzeitig etwas Entwaffnendes. Dem mechanistischen Weltbild, der Reduktion auf den technischen Vorgang, der Industrialisierung der Dienstleistung kann ich entgegnen, weil ich schnell, flexibel und kreativ bin.

Ist es das, was Dich von anderen Fotografen unterscheidet?

Bernhard Russi hat zu mir gesagt: Es geht zum ersten Mal um mich in den Shootings und nicht um den Fotografen. Das war eines der grössten Komplimente – ist aber marketingtechnisch katastrophal (lacht). Ich will dem Menschen gerecht werden. Ich will Kunden nicht in eine Position zwingen, sondern höchstens Anregungen liefern. Das macht den Unterschied, ob ein Portrait authentisch oder wie vom Fotografen hingestellt wirkt. Ich bin kunden- und menschenorientiert unterwegs. Das ist mein Stil. Ich nehme die Menschen als Person wahr. Daraus resultieren gute Portraits.

Wie bringst Du die Menschen dazu, sich zu öffnen?

Die Menschen merken, dass sie einem Profi und keinem Improvisateur begegnen. Das beginnt bei unserem Studio, bei meiner Frau Jocelyne, die unsere Kunden einige Minuten in der Maske verwöhnt, führt über das optimale Licht hin zu der Situation, in der der Kunde loslassen und geniessen kann. Vertrauen hat mit Kommunikation zu tun. Mein interessiertes Plaudern und Fragen ist wichtig – so können die Menschen vergessen, dass ich sie jetzt fotografiere. Ausserdem kommt dadurch nie ein Ungleichgewicht zustande – die Kunden zeigen etwas von sich. Ich erzähle über mich. Das schafft Vertrauen.

Du lachst viel – Ist Lachen in der Portraitfotografie erlaubt?

Lachen baut Spannung ab. Nur wenn die Situation leicht ist, entsteht ein gutes Portrait. Wenn beide über die absurde Situation lachen können, passiert der Austausch. In der Kunst lachen die Menschen weniger. Sie muss oft ernsthaft passieren. Aber ich sage: Man kann ernsthaft sein UND lachen. Ich finde, das gehört sogar zusammen.

Wann ist ein Portraitfoto ein gutes Portraitfoto für Dich?

Ein authentisches, offenes Portrait ist in den meisten Fällen ein schönes Portrait. Es öffnet Herzen und man will mehr über den Menschen erfahren. Menschen interessieren sich für nichts so sehr, wie andere Menschen.Fotos sind dann die Fenster zum Text.

Was ist Dein ganz persönlicher Tipp, damit ein Portraitfoto gelingt?

Nimm dir Zeit. Lass los.